DAS BRANDSCHUTZGÜTEZEICHEN

 
Nach dem katastrophalen Brand im Hotel „Am Augarten“ im Jahre 1979 in Wien, stand die Öffentlichkeit unter Schock. Schließlich kamen bei diesem Ereignis insgesamt 25 Menschen ums Leben und es war zu befürchten, dass es in weiteren Hotelanlagen zu derartigen Unglücksfällen kommen könnte. Eine Analyse des Brandschutzstandards der österreichischen Hotellerie zeigte damals nämlich erschreckende Defizite auf.
„Lex Teppich“
Die Konsequenzen aus dem „Augartenbrand“ waren jedoch nicht umfassend: Zumindest hat man gelernt, dass leicht brennbare Bodenbeläge im Brandfall – vor allem in Stiegenhäusern – ein Problem darstellen können. Es wurde dann in Form einer Bundesländerrichtlinie sogar eine Art „Lex Teppich“ geschaffen, aber damit hatte es sich schon. Als ein Wiener Kommunalpolitiker damals triumphierend ein Stück Teppich vor der Fernsehkamera entzündete, hatte man den „Schuldigen“ in der Öffentlichkeit überführt. Ich habe damals diese Vorgangs- und Denkungsweise als eindimensional bezeichnet. Denn ein zielgerichteter Brandschutz besteht aus einer ganzen Palette von baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen!

 

Beim Katastrophenbrand im Wiener Hotel „Am Augarten“ kamen im Jahre 1979 insgesamt 25 Menschen ums Leben

(Foto: Schaupensteiner)

In Graz nicht anders!
Als ich im Jahre 1981 Branddirektor in Graz wurde, interessierte ich mich daher auch für den Brandschutzstandard der heimischen Hotels. Gemeinsam mit BR Franz Karl Planinsic untersuchte ich nun die Feuersicherheit unserer Hotellerie. Und wir erlebten dabei unsere blauen Wunder, denn die meisten unserer Beherbergungsbetriebe waren genau so brandgefährdet, wie das ominöse Katastrophenhotel in Wien. Neben nicht ordnungsgemäßen Fluchtwegen, gab es auch in Graz keine Brandabschnittsbildung, keine Brandmeldeanlagen und der betriebliche Brandschutz fehlte fast überall. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann ein ähnliches Desaster wie in Wien auch bei uns eintreten würde.
Brandschutzplakette
Da wir auch nur schwer in den Altbestand der Hotelanlagen eingreifen konnten, waren uns damals wie heute die Hände gebunden. Nur bei Neubauten und größeren Umbauten waren zielführende behördliche Auflagen möglich. In dieser Situation versuchte ich gemeinsam mit Ing. Werner Schehl von der Brandverhütungsstelle Steiermark die Flucht nach vorne: Wir wollten eine Art Brandschutzplakette für Hotelanlagen schaffen und damit die Eigenverantwortung der Hotelverantwortlichen ansprechen. Dies war unsere Idee!
Die Zeit war noch nicht reif!
Unwillkürlich dachten wir dabei an die Möglichkeit die Leistungsgüte eines Hotels oder Restaurants mit einer bestimmten Zahl von „Sternen“ zu bewerten. Spaßhalber sagte ich, müssten wir eigentlich für den schlechten Brandschutz „Flammen“ vergeben. Wir haben dann eine große Veranstaltung im Europasaal des WIFI Graz geplant und über 250 Hotelbetriebe eingeladen. Doch dieses Projekt wurde damals ein großer Flop: Gerade eine Hand voll Interessierter war unserem Ruf gefolgt. Unsere Erkenntnis: Die Zeit war in den Achtzigerjahren ganz einfach noch nicht reif für Qualität und Sicherheit!
Neues Brandschutzgütezeichen
Nun hat das Brandschutzforum Austria (BFA) in Kooperation mit der Quality Austria in Wien (ÖQA) einen neuen Anlauf genommen. Es wurde unter Leitung des Autors ein Unterausschuss geschaffen, der die Grundlagen für ein neues Brandschutzgütezeichen erarbeitet hat. Neben mir und verschiedenen Vertretern aus den Bundesländern haben daran auch die Steirer Ing. Alfred Pölzl MSc (der das Brandschutzgütezeichen in dem von uns herausgegebenen Fachbuch „Brandschutzmanagement“ wieder zum Leben erweckt hat), Ing. Rudolf Mark als Brandschutzexperte und Dipl. Ing. Herbert Hasenbichler von der Brandverhütungsstelle Steiermark teilgenommen.
 

Das neue Brandschutzgütezeichen: Ein Wendepunkt im Brandschutz?

 
Erste Informationsveranstaltung
Ab sofort kann nun das Brandschutzgütezeichen von allen Betrieben erworben werden, welche im Sinne einer umfassenden Qualitätssicherung auf den Brandschutz besonderen Wert legen wollen. Ist es ein Wendepunkt im Brandschutz? Am 29. September 2008 hat in diesem Zusammenhang bereits im Grazer Seminarhotel Novapark die erste Informationsveranstaltung zum Erwerb des neuen Brandschutzgütezeichens mit großem Erfolg stattgefunden.
 

Blick in den Seminarraum bei ersten Sonderseminar „Brandschutzgütezeichen“

 
Die Inhalte
Folgende Inhalte wurden Dabei wurde der Themenkreis „Qualität, Brandschutz und Management“ umfassend im Sinne des neuen Brandschutzgütezeichens behandelt. Als Referenten waren dabei tätig:
 
OSR Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek, BFA, Graz („Qualität & Brandschutz – Der Brandschutzpfusch und seine Auswirkungen“).
Ing. Alfred Pölzl MSc, Feuerpolizei Graz („Grundlagen des Brandschutzmanagements – Schon wieder ein Managementsystem?“).
Ing. Rudolf Mark, BFA („Das neue Brandschutzgütezeichen der ÖQA – Nutzen und Vorteile für die Betriebe“).
Judith Winter, ÖQA-Österreichische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität, Wien („Der formelle Weg zum Brandschutzgütezeichen – Was ist ein Gütezeichen? – Die Rolle der ÖQA“).
Dipl.-Ing. Herbert Hasenbichler, Brandverhütungsstelle Steiermark („Das Brandschutzgütezeichen aus brandschutztechnischer Sicht – Defizite im Vorbeugenden Brandschutz – Fallstudien“).
Dipl.-Chem. Klaus Grothe, Jauch und Hübener GmbH, Wien (Die Rolle des Versicherers – Die Leistungsfreiheit bei Schadensfällen“).
Ausblick
Die ersten Betriebsverantwortlichen waren aus ganz Österreich angereist und verfolgten die Vorträge der Fachreferenten mit großem Interesse. Es bleibt zu hoffen, dass dieser neue Anlauf im Sinne eines verbesserten Brandschutzes für unseren Betriebsbrandschutz von Erfolg gekrönt ist.
 

Ein paar Fotos

 
 

 

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