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Der 23. Mai 2007 stellt ein besonderes Datum für den
heimischen Katastrophenschutz dar: In dieser Nacht hat
nämlich ein psychopathischer Scherzbold eine ganze Stadt in
Aufruhr versetzt und die Explosion einer Bombe in einem
Krankenhaus angekündigt. Das ist der Stoff, aus welchem
normalerweise nur Science Fiction-Filme gemacht sind. Jetzt
wurde ein derartiges Szenarium, gottlob mit Happy End, zur
harten Realität. |
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| GRÖSSTE BEWÄHRUNGSPROBE |
| Es ist Viertel nach ein Uhr, als eine anonyme Bombendrohung beim
Nachtportier des LKH Leoben eingeht. Innerhalb der nächsten 45
Minuten läuft in der Steirischen Montanmetropole ein perfektes
Räderwerk der Hilfeleistung ab, auf welches wir stolz sein können.
Dabei wurden insgesamt 448 Patienten des Landeskrankenhauses
evakuiert und notdürftig untergebracht. Eine Titanenarbeit, welche
von 70 Mann der Feuerwehr, 21 Helferinnen und Helfer des Roten
Kreuzes, 14 Mann der Polizei und 32 Bediensteten des LKH Leoben
geleistet wurde. Diese unfreiwillige Evakuierung eines Krankenhauses
war die bis dato größte Bewährungsprobe, welche in diesem Bereich
von Einsatzkräften bestanden werden musste. |
| EIN GRAUENHAFTES SZENARIUM |
| Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Krankenhaus, mit alten,
gebrechlichen Menschen, mit kranken Kindern, mit Personen, die ans
Bett gefesselt und nicht bewegungsfähig sind, muss geräumt werden.
Und das in einem Rekordtempo unter Einsatz des persönlichen Lebens,
denn die Bombe kann jederzeit in die Luft gehen! Doch was geschieht
mit den hilflosen Menschen in der Intensivstation oder jenen, die
gerade operiert wurden oder noch unter Narkose stehen? Ein
grauenhaftes Szenarium für die Einsatzleitung, welches aber
bewältigt werden muss. |
| EIN NEUES KONZEPT |
| Ich habe mich schon bald mit Bränden in Krankenhäusern
auseinandergesetzt. Im Jahre 1984 hatte ich sogar die große Ehre
einen Vortrag im Rahmen der ersten in Österreich abgehaltenen
VFDB-Tagung in Wien über das Thema „Möglichkeiten und Grenzen der
Evakuierung in Krankenhäusern“ zu halten. Ich habe damals das von
mir entwickelte so genannte Aufenthalts- und Verzögerungskonzept in
vier Phasen vorgestellt. Ein Konzept, welches sich heute bei den
Österreichischen Feuerwehren durchgesetzt hat und auch als
wesentlicher Punkt in die TRVB N 132 03 und TRVB N133 05 für
Krankenhäuser und Pflegeheime aufgenommen wurde. |
| HARMONISCHER BRANDSCHUTZ |
| Was sagt nun dieses Konzept in kurzen Worten aus? Es geht von
einem einfachen Grundsatz aus: Das Schutzziel bei Bränden muss es
vor allem in Krankenhäusern sein, einen größtmöglichen Verbleib von
Patienten in ihren Zimmern bzw. eine Evakuierung einer möglichst
geringen Personenzahl in angrenzende sichere Bereiche anzustreben.
Das ist aber nur dann möglich, wenn es mehrere Brand- bzw.
Rauchabschnitte im Bauwerk gibt. Das von mir aufgestellte Konzept
verlangt also eine harmonische Symbiose zwischen abwehrenden und
vorbeugenden Brandschutz. Das ist sehr wichtig, denn früher hat man
häufig den Feuerwehren bei Bränden die alleinigliche Last des
Brandschutzes aufgebürdet. |
| MEHRSTUFIGES RETTUNGSKONZEPT |
| Beim Aufenthalts- und Verzögerungskonzept handelt es sich um ein
mehrstufiges Rettungskonzept, welches primär den Aufenthalt von
Patienten in den Zimmern (Stufe 1), in der Folge eine Evakuierung in
der Horizontalen und Vertikalen in benachbarte Brandabschnitte
(Stufe 2 und 3) und erst am Schluss eine Evakuierung ins Freie, vor
allem mit Hilfe von Rettungsmitteln der Feuerwehr (Stufe 4),
vorsieht. Nur durch eine derartige Regelung können Brände in
sensiblen Bauwerken, wie Krankenhäusern und Altenheimen,
einigermaßen in den Griff bekommen werden. |
| PILOTÜBUNG |
| Wir haben dieses Konzept, nach den Katastrophenbränden in den
Krankenhäusern von Achern (1980, neun Tote) und Offenbach (1984, 900
Personen evakuiert), von Graz ausgehend, in ganz Österreich
umgesetzt. Die historische Pilotübung fand dabei schon im Oktober
1982 im Chirurgieturm des Landeskrankenhauses Graz statt. Bei dieser
Realübung wurde das erste Mal ein in voller Funktion befindliches
Krankenhaus in Bereich einer Krankenstation echt verqualmt. Das
Aufenthalts- und Verzögerungskonzept wurde dabei erstmals praktisch
überprüft, genauso die Zusammenarbeit zwischen Krankenhauspersonal
und Feuerwehr, sowie der mögliche Einsatz von Rettungshauben. Diese
Übung war äußerst erfolgreich und hatte Signalwirkung für ganz
Österreich! |
| HÖCHSTE GEFAHR! |
| Das was sich jedoch am 23. Mai 2007 in Leoben abgespielt hat,
war mit dieser Evakuierungs-Taktik nicht zu bewältigen. Hier zeigen
sich ihre Einsatzgrenzen, denn man hatte in diesem Fall alle
Patienten zu evakuieren, also das gesamte Bauwerk zu räumen. Die in
der Intensivstation liegenden Kranken musste man, aus verständlichen
Gründen, allerdings ausnehmen. Anmerkung: Dieser Bereich wurde
jedoch vorrangig von den Sprengstoffexperten nach einer eventuellen
Bombe untersucht. Fazit: Während der Bombensuche und der Räumung des
Hauses bestand höchste Gefährdung für die Patienten, das
Krankenhauspersonal und die Einsatzkräfte. |
| ERKENNTNISSE |
| Die Erkenntnisse, welche wir aus der Bombendrohung im LKH Leoben
ziehen sollten: Bei terroristischen Attentaten bzw. bei
Bombendrohungen in Krankenhäusern und Altenheimen müssen wir unser
stufenweise Rettungstaktik abwandeln. Die nach
Arbeitsstättenverordnung, §45, Abs. 5, vorgeschriebenen jährlichen
Brandalarm- und Räumungsübung (siehe auch Leitfaden für die
Durchführung von Krankenhaus-Evakuierungen in TRVB N 133, Anhang 5
und 5a), wird jedoch in der Praxis nie das gesamte Bauwerk umfassen
können. Eine unfreiwillige und totale Evakuierung, wie dies im Falle
des LKH Leoben am 23. Mai 2007 erforderlich war, sollte jedoch
wenigstens als theoretisches Übungs-Szenarium in unsere Alarm- und
Einsatzpläne aufgenommen werden. |
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Der Albtraum eines
Feuerwehrmannes ist die Totalevakuierung eines
Krankenhauses (hier ein historisches Beispiel aus der
Schweiz). |
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