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Excalibur-Einkaufszentrum vernichtet!
Explodierende
Feuerwerkskörper lösten vier Tage vor Weihnachten in der so
genannten Excalibur City am Grenzübergang Kleinhaugsdorf/Hate einen
Großbrand aus, der das riesige Einkaufszentrum teilweise
vernichtete. Am Parkplatz vor dem großen City-Markt brannten an die
30 Fahrzeuge vollständig aus. Die grenznahen Feuerwehren aus
Niederösterreich und der Tschechei hatten Hochbetrieb und größte
Mühe das Riesenfeuer zu bekämpfen.
LFR Dr. Otto Widetschek, Graz |
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Große Zerstörungen an Fahrzeugen
und dem Einkaufszentrum |
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Anfang
der Neunzigerjahre entstand am
einst düsteren Grenzübergang Kleinhaugsdorf/Hate im
nördlichen Weinviertel ein grell-buntes Einkaufsparadies.
Mittlerweile ist die "Excalibur City" eine
Vergnügungslandschaft auf mehreren zehntausend
Quadratmetern. Herrscher über das Shopping-Imperium ist „Duty-Free-König“
Ronald Seunig, seines Zeichens Ex-Intimus von Popstar Falco,
der einst mit einem kleinen Geschäft im "Niemandsland"
anfing. |
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„Excalibur-City“ als künstliche
Traumlandschaft |
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DAS SHOPPING-PARADIES
Einige hundert Meter hinter den Grenzbalken, wo Österreich
endete, breitet sich auf dem ehemaligen Sperrgebiet eine
künstliche Welt aus, die Menschenmassen magnetisch anzieht.
Tausende Autos frequentieren nun bei offenen Grenzen täglich
dieses Vergnügungszentrum aus allen Teilen Österreichs,
Deutschlands und Tschechiens. Aus Wien gibt es sogar eine
ständige Autobusverbindung ins Shopping-Paradies. Das
Angebot ist riesig, vor allem Billigpreise locken die
Kundschaft aus nah und fern. Nebst Supermarkt,
Shopping-Center, Spielhalle, "Play-Castle" und
Travel-Free-Zone gibt es noch das Restaurant "Zur
Tafelrunde", das Casino "Colosseum", Chinatown, einen
Heurigen samt Stadl und eine Tankstelle. |
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DAS
BRANDOBJEKT
Die Excalibur City wurde in den letzten zehn Jahren
sukzessive erweitert und umfasst heute weit über ein Dutzend
Bauwerke. Das größte davon ist über 8.000 m² groß und
besteht aus einem Supermarkt, einem Shopping Center und
einem Wellness-Bereich. Und gerade dieses wurde großteils
ein Raub der Flammen. Ein Viertel davon muss sogar
abgerissen werden, weil die Statik der großen Halle nicht
mehr gewährleistet werden kann. Es handelt sich dabei um die
übliche Billigkonstruktion von Großbauwerken, wie sie heut
fast überall zu finden ist: Fertigteilbau mit brennbaren
Isolationen im Wand- und Dachbereich. Dazu fehlte eine für
eine derartige Nutzung absolut notwendige Sprinkleranlage. |
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Eines der 30 total zerstörten Autos |
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„MADE IN CHINA“
„Große Rakete. Fliegt 200 Meter hoch. Großes Bumm Bumm. Nur 20 Euro.
Voll super“, sagte Herr Franz noch am Tag vor dem Großbrand. Er ist
Vietnamese und verkaufte auf dem Parkplatz vor der Excalibur City
Feuerwerksartikel „Made in China“. Herr Franz sollte mehr Bumm Bumm
bekommen, als ihm lieb war. 24 Stunden später flog sein Stand in die
Luft. Einen Tag vor dem großen Knall wollte ein Team des KURIER die
lebensgefährlichen Zustände in Kleinhaugsdorf dokumentieren und
schrammte bei der Recherche selbst haarscharf an einem Unfall
vorbei. |
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DAS BRANDGESCHEHEN
Bei der Vorführung einer dieser Feuerwerkskörper kam es nun nach
Zeugenaussagen kurz vor 18.00 Uhr zu einer unerwartet intensiven
Explosion, welche nicht nur ein Fahrzeug betraf, sondern auch die
Außenwand des großen Einkaufszentrums. Während der
Feuerwerks-Verkaufsstand in die Luft flog und sich das Feuer von
Auto zu Auto weiter fraß (es wurden schließlich 30 Fahrzeuge
vernichtet), stand auch in kürzester Zeit die brennbare Außenhaut
des Supermarktes großflächig in Flammen. Ein Film des ORF zeigte
dabei ganz deutlich die Problematik: Durch abschmelzende und herab
fallende Kunststoffteile wurde eine sehr hohe Brandhitze und
schließlich ein Flammeninferno erzeugt. Die Folge war ein
Übergreifen des Feuers von außen in die große Halle des
Einkaufszentrums, welches dort durch die brennbaren Einbauten
reichliche Nahrung vorfand. |
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VIEL
PLASTIK!
„Wie viel brennbarer Kunststoff in einem Einkaufsstand
vorhanden ist, erkennt man erst, wenn er brennt!“. Dieses
Satz prägte ich im Jahre 1981, als ich vor der brennenden
Lebensmittelhalle der Grazer Messe stand. Und tatsächlich
werden derartige Shops mit viel Plastik aufgebaut,
verkleidet und eingerichtet. Wenn dann ein Brand ausbricht
und sich in die den vielen Zwischenräumen, den abgehängten
Decken und Hohlwänden ausbreitet, ist Vernichtung angesagt.
Deswegen muss vorzugsweise bei Shop in Shop-Bauweise
unbedingt ein Vollschutz in Hinblick auf Brandmelde- und
Sprinkleranlage vorgesehen werden. |
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Brandruine mit
abgeschmolzener Kunststoffisolierung (man beachte die
Klebepunkte an der Wand) |
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SUCHE
NACH OPFERN
Da sich während des Brandausbruchs etwa 500 bis 700 Menschen
im vom Brand betroffenen Einkaufszentrum befanden, musste
mit Todesopfern gerechnet werden. Glücklicherweise konnten
sich jedoch alle Personen selbst in Sicherheit bringen, was
jedoch während der Brandbekämpfung noch nicht fest stand.
Obwohl Excalibur City auf tschechischem Staatsgebiet liegt
standen auch über 200 Feuerwehrleute aus Niederösterreich im
Einsatz. Es waren dies vor allem die Freiwilligen
Feuerwehren des Bezirkes Hollabrunn. Sie wurden in der Folge
vor allem von der Berufsfeuerwehr der Stadt Znaim
unterstützt. In der ersten Phase des Einsatzes war an ein
Vordringen in das brennende Bauwerk nicht zu denken, da
Einsturzgefahr herrschte. |
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Die Brandbekämpfung konnte lange Zeit nur von
außen erfolgen |
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GRAVIERENDE MÄNGEL
Eines der größten Probleme war der eklatante Wassermangel am
Einsatzort. Man hatte – wie dies oft bei Bauwerken auf der grünen
Wiese der Fall ist – auf die Löschwasserversorgung auch in der
Excalibur City einfach vergessen. Dieser gravierende Mangel konnte
nur durch einen laufenden Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen
einigermaßen kompensiert werden. Es musste also laufend Löschwasser
mit Einsatzfahrzeugen aus Österreich zugeführt werden, was im
kleinen Grenzverkehr keine Schwierigkeit darstellte. Ein weiterer
Mangel bestand in gravierenden Kommunikations- und
Koordinationsschwierigkeiten über die Grenze hinaus. Dies einerseits
wegen der fehlenden Funkverbindung und Sprachbarriere zwischen
österreichischen und tschechischen Feuerwehren und andererseits,
weil keine gemeinsamen Einsatzübungen vorbeugend durchgeführt
wurden. |
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DIE SCHÄDEN
Gegen etwa 21.00 Uhr, also drei Stunden nach Brandausbruch,
konnte vom Bezirksfeuerwehr-kommando Hollabrunn „Brand aus“ gegeben werden. Zu diesem Zeitpunkt stand
auch endgültig fest, dass keine Todesopfer zu beklagen
waren. Dies gab zumindest der tschechische Pressebeauftragte
vor Ort bekannt. Etwa 3.000 m² des großen Shopping Centers
mit an die 40 Geschäfte waren vernichtet worden. Desgleichen
30 Fahrzeuge, welche vor dem Einkaufszentrum parkten. Der
Schaden, der von der Versicherung gedeckt sein soll, wird
auf etwa 3,5 Millionen Euro geschätzt. |
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Totale Zerstörung der
Verkaufsstände durch hohen Anteil von brennbaren Stoffen |
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ERKENNTNISSE
Dieser spektakuläre Großbrand, knapp hinter der tschechischen Grenze
im so genannten Niemandsland bei Kleinhaugsdorf, zeigte erneut die
Einsatzgrenzen bei Bauwerken der „modernen (billigen) Bauweise auf.
Erschwert wurde die Brandbekämpfung durch den notwendigen
grenzüberschreitenden Einsatz. |
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Im Einzelnen kann zusammenfassend
für Einkaufszentren festgestellt werden: |
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Durch die heute aktuelle Billigbauweise von
Großbauten ist im Brandfall mit einer totalen
Vernichtung der Bausubstanz, verbunden mit
Einsturzgefahr, zu rechnen. |
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Die große Zahl von brennbaren Kunststoffen stellt
eine hohe Brandlast dar. Im vorliegenden Fall kam es zu
einer schlagartigen Brandausbreitung und einem
Brandübergriff von außen in das Bauwerk. |
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Vor allem die in Großeinkaufszentren übliche Shop in
Shop-Bauweise erfordert einen umfassenden vorbeugenden
und abwehrenden Brandschutz. Es ist immer dasselbe Lied:
Wenn die Prävention nicht stimmt, hat die Feuerwehr
keine echte Chance! |
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Brandmelde-, Sprinkler- sowie Rauch- und
Wärmeabzugsanlagen, eine ausreichende
Löschwasserversorgung und Betriebsfeuerwehren müssten
Stand der Technik sein. |
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Großbauwerke müssen von den zuständigen Feuerwehren
gemeinsam beübt werden. Vor allem im
grenzüberschreitenden Bereich ist das Funk- und
Kommunikationsproblem zu lösen. |
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Feuerwerkskörper müssen EU-Normen entsprechen. Die
entsprechenden Verkaufsvorschriften sind einzuhalten. |
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Zerstörte Außenwand: Hier konnte
der Brand ins Innere übergreifen |
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Quelle: Alle Fotos APA |
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