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Wollen sie mitreden? Dann lesen sie diese
Dokumentation, in welcher wir die Phänomene Backdraft &
Flashover erstmals unter Beachtung aller
naturwissenschaftlich bekannten Fakten genauer unter die
Lupe nehmen! |
HERAUSFORDERUNG FÜR
DIE FEUERWEHR Früher waren die Phänomene Backdraft
und Flashover vielleicht überzogene Illusionen aus
utopischen Katastrophenschutzfilmen. Heute sind sie im
Feuerwehralltag schon harte Realität und halten viele
unserer Führungskräfte in Atem. Und immer wieder hören wir,
da und dort wäre es zu einem schlagartigen
Ausbreitungsphänomen im Zuge eines Brandgeschehens gekommen.
Doch nur die wenigsten dieser gefährlichen Ereignisse werden
auch fachlich sauber dokumentiert. Außerdem herrschen über
diesen Problemkreis viele Missverständnisse und
Fehlmeinungen vor. BLAULICHT will Licht ins Dunkel dieses
Meinungswirrwarrs bringen.
Von LFR
Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek, Graz
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| TEIL 7: ERKENNTNISSE FÜR SCHULUNG UND
EINSATZ: |
| Die
Sicherheitsmaßnahmen vor dem eventuellen Auftreten von Stichflammen
lernt jeder Feuerwehrmann bereits in der Grundausbildung. Das Öffnen
von Türen oder (noch gefährlicher) einer Dachhaut bzw. das
Einschlagen von Fensterscheiben darf demnach bei einem Gebäudebrand
nur unter Einhaltung von elementarsten Sicherheitsregeln erfolgen. |
| EIN BRAND, DER SCHOCKIERTE! |
| Aber gerade in diesem Zusammenhang haben sich in erster Linie
durch den tragischen New Yorker Wohnungsbrand vom 28. März 1994, bei
welchem drei Feuerwehrmänner ums Leben kamen, neue Erkenntnisse
ergeben. Nach dem Öffnen der Wohnungstür zum Brandraum entwickelte
sich damals nämlich ein mächtiger Backdraft, der sage und schreibe
6,5 Minuten (!) lang andauerte. Was dabei überraschte und Fachleute
gleichzeitig schockte: Herkömmliche Rauchexplosionen entwickeln sich
fast nie über einen Zeitraum von mehr als 10 Sekunden. Hier waren es
aber über sechs Minuten! Dabei wurde dieses Ereignis durch einen
zufällig anwesenden Filmer eindeutig dokumentiert und auch im
Computermodell nachgerechnet. Es gab also an der Realität dieses
Brandgeschehens, welches alle schockierte, nichts zu deuteln. |
| NICHT NUR IN AMERIKA! |
Was haben wir jedoch aus dem Drama von New York zu lernen? Eines
ist klar: Unsere Schutzkleidung ist nur für eine intensive
Flammeneinwirkung von etwa 10 Sekunden ausgelegt. Bis zum Backdraft
von New York war daher die Welt noch in Ordnung! Denn wir haben
angenommen, dass es keine wesentlich länger andauernden Stichflammen
gibt. Jetzt müssen wir unsere Einsatztaktik so rasch als möglich
hinterfragen. Schließlich sind Einsatzsituationen wie im
gegenständlichen Fall nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa
und Österreich denkbar. Ja, ich behaupte, dass derartige
Katastrophen für unser Einsatzpersonal auch in jeder kleinen
Landgemeinde auftreten können.
Derartige Situationen sind nichts Neues, sie sind in den letzten
Jahrzehnten in zunehmendem Maße bei Wohnungs-, Büro- und
Geschäftsbränden aufgetreten. Im Jahre 1993 verunglückten
beispielsweise in Wien zwei Berufsfeuerwehrmänner bei einem
Wohnungsbrand schwer, als eine mächtige Stichflamme ins Stiegenhaus
schlug. Eine ähnliche Situation gab es am 2. April 2004 in
Berlin-Moabit: Hier retteten sich zwei Mitglieder der Freiwilligen
Feuerwehr Moabit vor einem Backdraft in letzter Sekunde durch einen
Fenstersprung. |
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Dieser
Brandrauch kann im nächsten Moment durchzünden und die
Einsatzkräfte gefährden. |
ÜBLICHER
BRANDEINSATZÜBLICHER BRANDEINSATZ
Es war ein Routineeinsatz, welcher an diesem Freitag bei
einem Wohnungsbrand in der Moabiter Beusselstrasse 72
ablief. Die ersten Einsatzkräfte der Feuerwache Moabit waren
gegen 18.00 Uhr am Einsatzort, einem fünfgeschossigen
Wohngebäude, eingetroffen. Sie stellten im ersten Stock
einen Vollbrand in einer Wohnung im ersten Stock fest. Nun
lief die geschulte Einsatzmaschinerie der Feuerwehr an. Von
der Beusselerstraße her wurde eine Drehleiter in Stellung
gebracht. Fünf Bewohner wurden auf diesem Wege gerettet. In
den Innenhof des Wohnhauses konnte man nicht mit Leitern
vordringen, deswegen wurde ein Sprungpolster in Stellung
gebracht. Eine weise Entscheidung, denn dadurch wurde
vermutlich zwei Feuerwehrkollegen das Leben gerettet. |
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DER FEUERSPRUNG
Die Situation war typisch: Die Brandbekämpfung war bereits
angelaufen und parallel dazu drang ein Trupp (2 Mann) in das
Stiegenhaus vor, um zu erkunden, ob sich weitere Personen in
den Wohnungen befinden. Da der heiße Rauch nicht schnell
genug abziehen konnte, kam es einige Zeit später zu einer
Durchzündung in das Stiegenhaus. Die beiden Feuerwehrmänner
befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der vierten Etage und
wurden von den Stichflammen voll erfasst. Die Flammen
loderten bis in den fünfte Etage und fanden auch eine
gewisse Nahrung im Stiegenhaus, da sich dort ein hölzernes
Stiegengeländer befand.SCHWERE
VERLETZUNGEN
Die Männer waren nun vom Feuer eingeschlossen und retteten
sich durch ein waghalsiges Manöver: Sie sprangen vom vierten
Obergeschoß, also von über 12 Meter, in einen Sprungpolster,
der im Innenhof aufgestellt worden war. Dabei erlitt einer
der Kameraden Frakturen an Becken und Lendenwirbeln. Der
andere Betroffene erlitt an ca. 30 Prozent der
Hautoberfläche Verbrennungen unterschiedlicher Stärke und
Tiefe. Beide wurden noch vor Ort von Notärzten versorgt und
anschließend ins Krankenhaus gebracht. |

Die mächtige Stichflamme schlug im
Stiegenhaus nach oben. Die Flucht nach unten war möglich
(Foto: BF Berlin). |
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| SCHÄDEN AN DEN GERÄTEN |
| Wie intensiv die Flammeneinwirkung war, zeigten die großen
Beschädigungen an den Geräten und der persönlichen Schutzausrüstung
der beiden Männer. Es mussten Temperaturen um die 1.000 Grad Celsius
aufgetreten sein, denn sowohl Helme, Atemmasken und Preßluftatmer
waren stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Schutzjacken waren
äußerlich angekohlt, hielten jedoch im Wesentlichen den Flammen
stand. Die Schutzkleidung hat den beiden Feuerwehrmännern ohne
Zweifel das Leben gerettet! |
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Verschiedene zerstörte
Einsatzgeräte nach einer Rauchdurchzündung in Berlin am 2.
April 2004 |
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Vom Brand
stark belastete Schutzbekleidung, die jedoch weitgehend
ihren Träger schützte |
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| ERKENNTNISSE |
Bei der Brandbekämpfung in Wohnhäusern ist ein Flammenrückschlag
ins Stiegenhaus denkbar, wobei die in den oberen Etagen befindlichen
Feuerwehrmänner lebensgefährlich bedroht werden können. Da ein
möglicher Backdraft nicht nur Sekunden andauern, sondern minutenlang
wirksam sein kann, ist ein Aufenthalt in diesem Bereich unbedingt
während der Brandbekämpfung zu vermeiden.
Weiters hat das Öffnen von Türen in Brandräume mit aller Vorsicht zu
erfolgen. Es sind dabei alle Präventivmaßnahmen, wie sie bereits in
Folge 5 dieser Serie beschrieben worden sind, zu ergreifen. |
| WAS IST MIT DEM FLASHOVER? |
| Wie steht es aber mit dem Flashover? Hand auf´s Herz! Dieses
Phänomen blieb in der Vergangenheit in der Regel weitgehend
unbeachtet, weil es bis dato nicht so häufig im Einsatzleben eines
Feuerwehrmannes aufgetreten ist. Nun ist es aber an der Zeit
umzulernen. Die Folge: Unsere Feuerwehrtaktik ist zwar nicht
vollkommen neu festzulegen, aber zu mindestens in einigen
wesentlichen Punkten abzuändern. |
| EINE FLASH-BOX ZUM NACHBAUEN |
| Das Phänomen des Flashovers tritt eher selten auf. Daher wird
nicht jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau damit einem Einsatz
konfrontiert. Um aber zu zeigen, dass es Rauchdurchzündungen
wirklich gibt kann man eine so geannte Flashover-Box bauen. Die
Bauanleitung ist unter
www.atemschutz.org zu
finden. Viel Spass beim Bauen! Die angegebene Bauanleitung
beschreibt die Flashover-Box der Feuerwehr Freilassing, die einen
Raum in verkleinerter Form darstellt und die Erzeugung eines
Flash-Over mit Backdraft ermöglicht. |

Die Flashover-Box in Aktion (Foto FF
Freilassing). |
Die Box wird an den Wänden mit
Pressspanplatten ausgekleidet. Anschließend wird im rechten
hinteren Eck ein Holzstoß entzündet. Nach Anbrennen des
Holzstoßes wird der Deckel der Box verschlossen. Die
Presspanplatten beginnen durch die zunehmende Hitze in der
Box auszugasen und setzten Pyrolysegase frei, welche sich im
Rauch unter der Raumdecke (Deckel) sammeln. Wird die Box an
der vorderen Tür für ca. 10-15 Sekunden verschlossen
erlischt das vorhandene Feuer bis auf die Glut. Die
Brandgase konzentrieren sich in der Box und zünden kurz nach
dem Öffnen der Raumtür durch die Sauerstoffzufuhr in Form
des Flashover bzw. Backdraft durch.
Abmessungen der Box:
70 x 70 x 70 cm zusätzlich sind ca. ein Meter hohe Beine an
der Unterseite der Box montiert. Diese Beine sind mit einer
Europalette verschraubt, um die Box flexibel bewegen zu
können. |
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| EIN „AUGE“ FÜR DEN FLASHOVER |
Die Änderungen betreffen in erster Linie den Innenangriff. Wir
müssen erkennen, dass Brandrauch grundsätzlich brennbar ist und sich
in bestimmten Fällen schlagartig entzünden kann. Dieser Flashover
kündigt sich vielfach durch besondere Turbulenzen der Brandgase,
Flammenzungen und die plötzliche Entflammung von weiter vom
Brandherd entfernten Einrichtungsgegenständen an. Dies sind immerhin
einige wichtige Hinweise, deren Beachtung unter Umständen für die
Einsatzkräfte beim Innenangriff sogar lebensrettend sein kann.
Unser Feuerwehrpersonal muss also eine Art „Auge“ für die Merkmale,
welche einem Flashover vorangehen, entwickeln. Nur dann werden wir
Brandverletzungen und Todesfälle durch das „Schnelle Feuer“ im
Ernstfall vermeiden können. |
IN DIE RAUCHGASE
SPRITZEN?
Eine alte Grundregel, welche jedem Feuerwehrmann bei uns im
wahrsten Sinn des Wortes eingetrichtert wurde, heißt:
„Spritze nie in den Rauch, sondern nur in Glut und
Flammen!“. Ist diese Taktik im Sinne der neuen Erkenntnisse
über den Flashover heute noch tragbar? Müssten wir nicht
umgekehrt argumentieren und zuerst in den Rauch spritzen, um
den Feuersprung zu verhindern? Eine alte Grundregel, welche
jedem Feuerwehrmann bei uns im wahrsten Sinn des Wortes
eingetrichtert wurde, heißt: „Spritze nie in den Rauch,
sondern nur in Glut und Flammen!“. Ist diese Taktik im Sinne
der neuen Erkenntnisse über den Flashover heute noch
tragbar? Müssten wir nicht umgekehrt argumentieren und
zuerst in den Rauch spritzen, um den Feuersprung zu
verhindern?
In die Rauchgase zu spritzen war früher
ein Tabu, heute ist es – richtig durchgeführt – fast eine
Überlebensnotwendigkeit. |
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| EINE RÜCKBLENDE |
| Ich erinnere mich noch an einen Brand in einem
Lebensmittel-Großhandel, bei welchem ich die Einsatzleitung
innehatte. Ich war ein junger Offizier und noch ganz durchdrungen
von dem was ich gelernt hatte. Da beobachtete ich - ich traute
meinen Augen kaum - einen Einsatztrupp, der in verwegener Stellung
mit einem C-Rohr durch die Türe eines Lagerraums völlig planlos in
die austretende undurchsichtige Rauchwolke spritzte. Im Gebäude gab
es daraufhin ein fürchterliches Klirren und Rumpeln. Kein Wunder,
räumte doch der Vollstrahl die Regale sukzessive ab: Eine Unzahl von
Lebensmitteldosen, Zucker- und Mehlsäcken sowie Gläser mit Gurken
und eingelegten Eiern fiel zu Boden. |
| DIE NEUE LÖSCHSTRATEGIE |
Natürlich kann auch in Hinkunft eine derartige brutale
„Löschstrategie“ nicht befürwortet werden. Mit dem
„eindimensionalen“ Vollstrahl in eine „dreidimensionale“ Rauchwolke
zu spritzen, kann nur als billiger Schildbürgerstreich klassifiziert
werden! Ganz anders sieht dies jedoch schon bei einem Sprüh- bzw.
Nebelstrahl aus, der in Deckennähe zur Kühlung des dort zum
Flashover neigenden „Rauchgas-Sees“ eingesetzt wird.
Derartige Regelungen sind bereits heute in vielen Feuerwehren
umgesetzt worden Bei ihnen ist es bereits gang und gäbe, dass die
ins Gebäude eindringenden Feuerwehrmänner auf dem Wege zum Feuer
automatisch den Sprühstrahl zur Decke richten. Diese Reaktion ist
ihnen bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Und es ist gut so! |
| DER BRANDRAUCH GEHÖRT WEG! |
Vor allem in größeren Industriehallen werden auch
Brandrauchentlüftungen (BRE) bzw. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA)
vorgeschrieben. Es gibt dafür sogar eine eigene Technische
Richtlinie für den Vorbeugenden Brandschutz, die TRVB S 125.
Die häufigste Taktik war es früher, derartige Rauchabzugsanlagen
nicht vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu öffnen, um den Brand nicht
unnötig anzufachen. Wir werden uns langsam auch von dieser Regelung
verabschieden müssen. Denn es ist immerhin noch besser, dass die
vielfach brennbaren (auch giftigen und eventuell korrosiven)
Rauchgase ins Freie abziehen und der Brand entwickelt sich dabei
etwas mehr, als es kommt zum gefürchteten Flashover bzw. zu teuren
Gebäudeschäden durch Langzeitgifte.
Die Aufgabe der Feuerwehr ist es also in jedem Fall vorhandene BRE
bzw. RWA-Anlagen rechtzeitig zu öffnen und – wenn möglich – einen
definierten Luft-Rauchgasstrom zu produzieren. Dabei kann auch im
Zuluftstrom relativ sicher in das Gebäude vorgedrungen werden. |
DER BRAND IM
PALMERS-HOCHHAUS
Was sollen wir tun, wenn jedoch keine BRE-Anlage vorhanden
ist? Gibt es hier nur die gefährliche Taktik des
Innenangriffs um jeden Preis? Dazu ein Beispiel: Im Jänner
1993 kam es im so genannten Palmers-Hochhaus in Wiener
Neudorf zu einem spektakulären Großbrand, der im
herkömmlichen Innenangriff nicht bewältigt werden konnte.
Über eineinhalb Stunden versuchten Feuerwehrmänner in den
Brandbereich im 3. Stockwerk (Lager für
Dekorationsmaterialien und Möbel) vorzudringen, mussten aber
aufgrund der starken Hitze und intensiver Qualmbildung, dann
zu einer anderen, bis zum damaligen Zeitpunkt in unseren
Breiten weitgehend ungekannte Taktik zurückgreifen. |

Der Brand im
Palmers-Hochhaus in Wiener Neudorf war ein Wendepunkt in der
Löschtaktik (Foto FF Wr. Neudorf) |
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Kommt „Der programmierte
Feuersprung“ als neue Einsatztaktik? |
DER PROGRAMMIERTE
FEUERSPRUNG
Was wurde getan? Mit Hilfe von zwei großen Druckventilatoren
wurde der Brandraum über ein Stiegenhaus belüftet und quasi
ein Feuersprung (Bersten der heißen Fensterscheiben durch
Kühlung mit Wasserwerfern) provoziert. Durch die in der
Zwischenzeit taktisch optimal in Stellung gebrachten
Löschfahrzeuge konnte sozusagen der Außenangriff koordiniert
bzw. synchron ablaufen.
Diese Taktik – ich nenne sie die „Methode des programmierten
Feuersprungs“ – wurde seit damals schon da und dort in
unsere Ausbildungsprogramme aufgenommen. Man provoziert also
dadurch ganz gezielt einen Flashover – zu einem weitgehend
definierten Zeitpunkt, zu welchem man die eigenen Kräfte
bereits optimal in Stellung gebracht hat. Im Druckluftstrom
der Belüftungsgeräte ist ein weitgehend gefahrloses Vorgehen
in den Brandbereich möglich. |
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| NEUE TAKTIK |
| Diese Taktik klang noch vor etwa zehn Jahren verdammt
theoretisch und wurde von manchem alten Haudegen kategorisch
abgelehnt! Aber eines ist klar: In der Zwischenzeit hat sich die
Methode der Überdruckbelüftung auch bei uns weitgehend durchgesetzt.
In den USA wurde diese Taktik bereits früher mit großem Erfolg
verwendet. Natürlich ist kein Allheilmittel. Das gibt es nicht. Auf
jeden Fall ist sie vorher exakt zu üben, denn wenn sie falsch
eingesetzt wird (z. B. wenn nicht genügend große Abluftöffnungen
vorhanden sind), kann es zu gefährlichen Situationen für die
Einsatzkräfte kommen. |
| FLASHOVER-TRAINING! |
| Aus all meinen Ausführung ergibt sich eines ganz klar: Unsere
praktische Brandausbildung muss heute durch ein intensives
Flashover-Training erweitert werden! Dieses wird beispielsweise
bereits seit 1984 in Schweden mit bestem Erfolg durchgeführt. Dabei
stehen praktische Brandübungen in eigenen Brandcontainer und
Brandhäusern (mit echten Einrichtungsgegenständen) im Vordergrund. |
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BASISSCHULUNG MIT
GASCONTAINERN
Als erste Phase der Ausbildung können mit einigem Erfolg
auch Gasübungscontainer eingesetzt werden. Hier kann die
große Hitze und das schlagartige Auftreten von Flammen sowie
die richtige Vornahme der Strahlrohre intensiv geübt werden.
Der große Vorteil ist dabei die umweltfreundliche,
definierte und einfache Reproduzierbarkeit derartiger
Brandereignisse. Hier gibt es keine lästigen Ausräumarbeiten
und es kann in relativ kurzer Zeit eine große Zahl des
Einsatzpersonals unter schwerem Atemschutz durch die Übung
geschleust werden.Flash-Simulation im
Gascontainer (Bild Safety & Fire) |
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HOLZBEFEUERUNG
In einer weiteren Phase der Ausbildung können holzbefeuerte
Container im Ausbildungsbetrieb eingesetzt werden. Der
Vorteil einer derartigen Anlage liegt in der Tatsache, dass
dabei eine echte Rauchdurchzündung produziert wird und nicht
nur eine Stichflamme mittel eines Gases. Diese Technik geht
auf Schwedische Versuche in der Feuerwehrschule Skövde
zurück (siehe schematische Darstellung) und wurde in der
Folge vor allem in Deutschland von der BF Osnabrück
weiterentwickelt. In Österreich hat beispielsweise die
Stadtfeuerwehr St. Pölten eine derartige Ausbildungsanlage
für die Simulation von echten Flashover-Ereignissen gebaut.
Dabei kann die Rauchdurchzündung mit einer Brennholzlage bis
zu acht Mal und mehr einigermaßen reproduziert werden. Das
Feuer wird dabei nicht gelöscht. |

Flashover-Übung bei Holzbefeuerung nach dem
schwedischen System |
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| BRANDHÄUSER |
| Zur optimalen Übungsmöglichkeit bieten sich natürlich
Brandhäuser an. Dabei ist wichtig, dass wir nicht in leeren Räumen
aus Beton einzelne Stoffe entzünden (z. B. Holz oder Papier),
sondern eine bunte Mixtur von Einrichtungsgegenständen. Ein
simulierter Zimmerbrand ohne Teppiche, Vorhänge und Polstermöbel,
mit ihren großen Kunststoffanteilen, ist beispielsweise nie ganz
realistisch und für die Simulierung eines „echten“ Flashover
unbrauchbar. Der Brand eines einzelnen gepolsterten Sessels mit
Schaumkunststoff bringt wesentlich mehr und ist vor allem wesentlich
praxisbezogener. |
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Ein mit Holz befeuerter
Übungscontainer der FF Aaalen, Baden-Württemberg (Foto: W.
Prokoph) |
Die Brandstelle ist etwas
erhöht angebracht und mit einer Türe abzuschließen (Foto: W.
Prokoph) |
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Der Container in Aktion:
Nach einer bestimmten Vorheizzeit wird die Türe zum
Brandraum geöffnet (Foto: W. Prokoph) |
Ein ausgewachsener
Flashover entsteht und verpufft über den Köpfen der
Mannschaft (Foto: W. Prokoph) |
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| AUSBLICK |
| Um das immer häufiger auftretende Phänomen des Backdrafts und
des Feuersprungs, welche bei den unterschiedlichsten Bränden völlig
unerwartet auftreten können, in den Griff zu bekommen, müssen wir
umdenken und unsere Brandtaktik teilweise abändern. |
| Folgende
Maßnahmen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) könnten dabei dienlich
sein: |
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Erweiterung des theoretischen Brandlehre-Unterrichts durch
ein verständliches Kapitel über das Zustandekommen und die
Gefahren der Rauchdurchzündungen. Dabei sind auch die
charakteristischen Merkmale (Erkennen) eines unmittelbar
bevorstehenden Feuersprungs genau zu behandeln. |
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Richtiges Verhalten beim Innenangriff unter Annahme, dass
ein Flashover entstehen kann (z. B. Abkühlung des
Brandrauchs und Löschen bereits vorhandener Feuerzungen in
Deckennähe mittels Sprüh- bzw. Nebelstrahls). |
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Das
Öffnen von „heißen Türen“ – also Türen zu einem Brandraum –
sowie der richtige Türcheck sind detailliert zu schulen, ja
zu drillen. Denn gerade bei diesem Szenarium haben sich die
meisten Todesopfer und Schwerverletzten im Feuerwehreinsatz
gezeigt. |
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Kein
Aufenthalt in höher gelegenen Bereichen in Stiegenhäusern,
wenn „heiße Türen“ geöffnet werden. |
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Verwendung einer entsprechenden, normierten Schutzausrüstung
(Helm, Atemschutzgerät, Einsatzbekleidung, Stiefel,
Handschuhe etc.) bei Innenangriffen. |
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Spezielle Schulung der Technik der Druckbelüftung bei den
Feuerwehren und Aufnahme in die Ausbildungsprogramme. |
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Verstärkter Einsatz von Wärmebild(Infrarot)kameras, vor
allem bei Stützpunktfeuerwehren. |
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Flashover- und Backdraft-Training, welches praxisbezogen in
den Brandhäusern der Feuerwehrschulen und behelfsmäßig vor
Ort in Brand-Containern durchgeführt werden könnte. |
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| Abschließend
wird festgestellt, dass auch eine verstärkte wissenschaftliche
Erforschung des Phänomens der Rauchdurchzündungen notwendiger denn
je ist. Wir müssen einfach mehr über das Wieso, Wann, Wie und
Warum dieser für den Feuerwehrmann elementaren Gefahr bei
modernen Bränden wissen. Nur bei einer genaueren Kenntnis der
drohenden Gefährdungen, werden wir unsere Einsatzkräfte auch in
Zukunft besser schützen können! |
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| Stand 2005 |
LITERATUR UND BILDNACHWEIS
Bilder 1 bis 4: Berufsfeuerwehr Berlin.
WIDETSCHEK O.: Großbrand im Palmers-Hochhaus; BLAULICHT, Heft
3/1993.
TRVB S 125: Errichtung und Betrieb von Anlagen zur
Brandrauchentlüftung (BRE-Anlagen) in Räumen mit großen
Grundflächen; aus 1980, wird überarbeitet.
WIDETSCHEK O.: Der programmierte Feuersprung; BLAULICHT, Heft
3/1993. |
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