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Eine Serie" Brandschutz in Kulturbauten"
(siehe auch Blaulicht Heft 11/2003 bis 04/2004) von
LFR
Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek, Graz |
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Teil 1: Einleitung und Schutzziele |
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Teil 2: Gefahren und Brandursachen |
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Teil 3: Präventive Maßnahmen |
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Teil 4: Abwehrende Maßnahmen |
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Teil 5: Brandschutz im Grazer Kunsthaus |
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Teil 6: Brandschutz im Stift Admont |
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ZUM SCHUTZ DES LANDES?
Das Grazer
Zeughaus ist ohne Zweifel eine der größten
Fremdenverkehrsattraktionen der Steirischen
Landeshauptstadt. Einst zum Schutz des Landes errichtet,
stellte sich nun bei einer Überprüfung nach dem Hofburgbrand
heraus, dass es selbst bei einem größeren Feuer eine
riesige, tödliche Rauchfalle für die im Gebäude befindlichen
Menschen darstellt. Das war 1992! Was ist seit damals
geschehen? Fast nichts! Denn bis heute ist dieser skandalöse
Missstand nicht behoben worden. Ja man kann sagen, was sich
um dieses historische Baujuwel in brandschutztechnischer
Hinsicht schon seit geraumer Zeit abspielt, ist ein Drama
der Sonderklasse.
LFR
Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek, Graz |
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Grazer Zeughaus als
Rauchfalle |
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MIT DER HOFBURG BEGANN ES!
Als im Jahre 1992 die berühmten Redoutensäle in der Wiener Hofburg
ein Raub der Flammen wurde, war die österreichische Kulturseele
erschüttert. Niemand hatte es je für möglich gehalten, dass ein
derartiges Bauwerk einem profanen Feuer zum Opfer fallen könnte.
Natürlich hatten weitsichtige Experten, die es ja auch manchmal
geben soll, schon lange vor einem gewaltigen Brandschutzdefizit in
unseren kulturhistorischen Bauwerken gewarnt! Aber wer hört schon
auf derartige lästige Zeitgenossen. Niemand! Es muss anscheinend
immer erst einen Anlassfall geben. Wie in Kaprun! |
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PREKÄRE SITUATION IN GRAZ!
Angesichts der abgebrannten und eingestürzten Redoutensäle war aber
nun im wahrsten Sinn des Wortes Feuer am Dach. In ganz Österreich
führte man plötzlich Feuerbeschauen in Kirchen, Ausstellungssälen,
Konzerthäusern, Museen und Burganlagen durch. Einigermaßen prekär
war die Situation jedoch in Graz: Bis zur Inkraftsetzung des
Feuerpolizeigesetzes 1985 war die Landeshauptstadt Graz von
derartigen Überprüfungen überhaupt ausgenommen. Ich versuchte damals
als zuständiger Branddirektor eine eigene Feuerpolizeigruppe in der
Berufsfeuerwehr aufzubauen, was aber vorerst aus finanziellen und
politischen Gründen misslang. Erst ab dem Jahre 1989 war es möglich,
bei der Baupolizei, ein Zweimann-Team zu installieren, welches
mittlerweile auf rund 20 Personen angewachsen und seit kurzem bei
der Feuerwehr zugeordnet ist. |
ÜBERPRÜFUNGSKONZEPT
Sofort nach dem Hofburgbrand erstellten wir dann ein Konzept, nach
welchem in Graz an die zwanzig historische Bauwerke, unter ihnen das
Schloss Eggenberg, die alte Burg, das Landhaus, das Joanneum, das
Landesarchiv und die Landesbibliothek, der Grazer Schlossberg mit
Uhr- und Glockenturm sowie das Schloss St. Martin, auf
Brandschutzmängel untersucht wurden. Anmerkung: Für die
kulturhistorischen Bauwerke außerhalb der Landeshauptstadt war die
Steiermärkische Brandverhütungsstelle zuständig. Dabei wurden
kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen
vorgeschlagen. Mit Ausnahme einiger kleinerer Vorschreibungspunkte
waren es jedoch auf Grund der gesetzlichen Grundlagen in der Regel
nur Empfehlungen. Man einigte sich jedoch damals, alle Maßnahmen zur
Personenrettung mit äußerster Dringlichkeit zu behandeln! |
KNACKPUNKT: FLUCHTWEG!
Gerade im Grazer Zeughaus war nun eine völlig untragbare
Fluchtwegsituation gegeben. Es gibt nur ein offenes,
brandschutztechnisch nicht relevantes Stiegenhaus, der zweite
bauliche Fluchtweg fehlt überhaupt. Da die Feuerwehr auch mit
Drehleitern nicht über den Landhaushof zufahren kann, ist eine
Personenrettung auf diese Weise nicht möglich. Und so wurde bereits
Anfang 1993 nach der Erstellung eines Vorgutachtens von der
Feuerwehr die Errichtung eines zusätzlichen Fluchtstiegenhauses
gefordert. Nun wurde ein Jahr lang diskutiert und geplant. Dann
legte ein Architektenteam ein Konzept vor, welches im hinteren
Bereich des Landhaushofes die Errichtung eines transparenten
Stahl-Glas-Stiegenhauses samt Behindertenlift vorsah. Diese von der
Feuerwehr akzeptierte Variante wurde jedoch von Seiten des
Denkmalschutzes strikte abgelehnt. |
TOTAL VERSCHLAMPT!
Wieder verging ein Jahr. Im Jänner 1995 wagte die Feuerwehr erneut
einen Vorstoß. Es fand eine Besprechung statt, bei welcher
schließlich auch die Vertreter des Denkmalschutzes grundsätzlich der
Errichtung eines zusätzlichen Stiegenhauses zustimmten. Allerdings
brachte man eine Variante vom Nachbarhaus (Besitzer Grazer
Wechselseitige Versicherung) ins Spiel. Diese wurde dann jedoch
heimlich, still und leise wieder verworfen, nachdem die GRAWE
angeblich diesem Plan nicht zustimmte. Seit dem ist die causa
Zeughaus für die Betreiber und das Denkmalamt anscheinend ad acta
gelegt worden. Der ganze Vorgang wurde verschlampt und vergessen!
Unglaublich, aber wahr! |
MAXIMAL 30 BESUCHER!
Die Feuerwehr hat noch im Jänner 1995 ihr endgültiges
brandschutztechnisches Gutachten abgegeben. Wichtigster Punkt war
dabei das zusätzliche Stiegenhaus, welches jedoch nicht als Auflage
bescheidmäßig vorgeschrieben werden konnte. Die Feuerpolizei hat
eine Feuerbeschau durchgeführt und unter anderem eine Begrenzung der
Besucherzahl mit 30 vorgeschrieben. Dann kam das Jahr 2003. Graz
wurde Kulturhauptstadt Europas. Das Zeughaus wurde von Besuchern
förmlich gestürmt. Mehrere Autobusse fuhren gleichzeitig vor,
Schulklassen wurden durch das Haus geschleust. Natürlich war die
Begrenzung der Besucherzahl nicht möglich, was auch bewiesen werden
kann! |
„ALLES NEU ÜBERDENKEN!“
Am 17. Oktober 2003 veranstaltete der Bezirksfeuerwehrverband Graz
ein Symposion unter dem Titel „Brandschutz in Kulturbauten“. Dabei
wurden die Missstände im Grazer Zeughaus wieder vehement aufgezeigt.
Der für den Kulturgüterschutz zuständige Landeskonservator sprach
sich dabei erneut gegen gravierende bauliche Veränderungen aus, bot
uns aber die Zusammenarbeit an, um die Situation neu zu überdenken.
So wird also bei uns gearbeitet: Man braucht über zehn Jahre, um
eine Fluchtstiege zu planen! Zu planen, nicht zu bauen! Das zeigt
leider deutlich, wie groß der Stellenwert des Brandschutzes von
gewisser Seite in diesem Lande gewertet wird. Dabei steht die
Ausstellung im Zeughaus derzeit noch unter dem Motto „Zum Schutz des
Landes“. Dass sich die Besucher dabei jedoch in eine Feuerfalle
begeben könnten, stört niemanden! Und das ist einfach schlichtweg
ein Skandal! |
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PRESSE-ECHO
Die Veranstaltung und die Aussagen von LFR Dr. Widetschek
riefen in den österreichischen Medien große Resonanz hervor.
Nicht nur die steirischen Medien griffen das Thema auf und
berichteten darüber ausführlich. Bleibt zu hoffen, dass die
Verantwortlichen diesmal den Ernst der Lage erkennen und zum
Schutz der Besucher reagieren!
>> Presse-Echo
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| Symposion „Brandschutz in
Kulturbauten“ im Grazer Minoritensaal. Foto: Oswald
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