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GIFTGASKATASTROPHE IN WOLLSDORF, DREI TOTE |
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| EIN FAULGAS Und gerade dieses Gas war die Ursache für den – im wahrsten Sinn des Wortes – teuflischen Chemieunfall in der Oststeiermark, der drei Todesopfer forderte. Schwefelwasserstoff kommt in der Natur in vulkanischen Gasen und Schwefelquellen, in Erdgas und im Erdöl vor. Dieses bereits in geringen Konzentrationen nach faulen Eiern stinkende Gas bildet sich auch bei der Zersetzung (Fäulnis) von Eiweiß. Deswegen ist es in Senkgruben, Bio-Gasanlagen und Kanalisationen – möglicherweise in großen Konzentrationen – zu finden. Auch im menschlichen Darm kann es bei Faulprozessen auftreten und als Flatus (Furz) frei werden, was nicht unbekannt sein dürfte. |
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| DER TOD IN DER SENKGRUBE Während meines Studiums habe ich Schwefelwasserstoff im Rahmen meiner Chemiepraktika kennen gelernt. In einer eigenen luftdichten Kammer führten wir damals unsere analytischen Experimente mit diesem stinkenden Gas durch, nach welchem wir noch Stunden danach rochen. Später habe ich dann im Jahre 1985 einen tragischen Unfall im Bezirk Deutschlandberg recherchiert. Damals starben drei Männer (sie waren alle Mitglieder der FF Dietersdorf) in einer Senkgrube. Dies ging so vor sich: Nach dem Sturz einer Person in die fast entleerte Jauchengrube, verunfallten auch zwei weitere Familienmitglieder beim Rettungsversuch und verstarben innerhalb kürzester Zeit. Die herbeigerufene Feuerwehr, welche mit schwerem Atemschutz vorging, war chancenlos. Auch hier war am Tode dieser Männer maßgeblich Schwefelwasserstoff beteiligt. |
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| VERGIFTUNGEN UND EXPLOSIONEN In der Literatur findet man auch eine Reihe von Unfällen in Biogas- und Kanalanlagen dokumentiert, bei welchen Vergiftungs- und Todesfälle aufgetreten sind. Alleine in den letzten drei Jahren sind in Deutschland über 10 Menschen auf diese Weise ums Leben gekommen. Die Berichte beziehen sich dabei einerseits auf die toxische Wirkung von Faulgasen, aber auch andererseits auf Verpuffungen und Explosionen von Schwefelwasserstoff, welche in Kanälen und Biogasanlagen, vor allem bei Reparaturarbeiten (durch Schweißen), aufgetreten sind. Man muss nämlich wissen, dass Schwefelwasserstoff zwischen 4,3 und 45,5 Volums-Prozent auch explosiv ist. |
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| FAULE EIER In der Wollsdorfer Lederfabrik dürfte das tödliche Gas jedoch durch eine chemische Reaktion bei der Chromrückgewinnung in einer unerwartet großen Konzentration entstanden sein. Dabei hat wahrscheinlich Natriumsulfid (Na2S), welches bei der Enthaarung von Fellen verwendet wird, mit Schwefelsäure (H2SO4), die für die Rückgewinnung bestimmter Substanzen in der Ledererzeugung erforderlich ist, reagiert. |
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Diese kann wie folgt dargestellt werden: |
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Na2S + H2SO4 ª Na2SO4 + H2S |
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| IN WASSER LÖSLICH! Schwefelwasserstoff ist in Wasser löslich und bildet eine schwache Säure. Daher kann es beispielsweise auch gut von Schutzanzügen abgewaschen werden. Bei Kontakt mit der Haut kann sich das Gas auch im Schweiß lösen und dadurch eine Reizwirkung auf den Feuerwehrmann ausüben. Das wäre so zu sagen ein biologischer Warneffekt und daher ist die Verwendung von Gasschutzanzügen in erster Linie nur dann notwendig, wenn der Schwefelwasserstoff als verflüssigtes Gas vorliegt. |
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| DIE EIGENSCHAFTEN Schwefelwasserstoff ist ein Gift, durch welches es bereits viele Todesopfer gegeben hat. Ob in Senkgruben, in Biogas- oder Kanalanlagen, überall schlägt dieses Faulgas zu. |
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| Das H2S-Gas muss in Form eines Gasausbruches frei geworden sein. Da es schwerer als Luft ist (Dichte 1,54) sank es in Form einer tödlichen Wolke zu Boden (schematische Darstellung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||
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